Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Wenn ein Kind von seinen Eltern diesen Satz zu hören bekommt, wird es sich schleunigst aus dem Staub machen. Denn luxemburgi­scher Nachwuchs versteht sehr gut, was ihm da an­gedroht wird: eine Tracht Prügel. Doch enthält die Re­d­­e­wendung zwei Wörter, deren Herkunft nicht jeder­mann bekannt sein dürfte: Mokes und Dokes.

Beide Wörter stam­men aus dem Hebräischen; ins Luxemburgische über­nom­men wurden sie aus dem Jiddischen, einer Spra­che, die ab dem 9. Jh. im deutschen Sprachraum entstand und sich später über die ganze Welt verbreitete. Ins Luxem­burgische gelangten jiddische Ausdrücke einerseits über den Kontakt mit jüdischen Bevölkerungsgruppen und andererseits durch die sprachliche Vermittlung der Viehhändler. Auch das Jenische, eine weitere Minderheitensprache in der Region, hat beide Begriffe aus dem Jiddischen übernommen und zu deren Festigung im Luxemburgischen beigetragen. Jenisch wird hier auch Lakersprooch oder Lakerschmus genannt und bezeichnet die Sprache der Händlerfamilien, die bis ins vergangene Jahrhundert v.a. in der Umgebung von Weimerskirch, Ettelbrück, Esch an der Alzette und in Pfaffenthal (Luxemburg-Stadt) wohnten, darüber hinaus aber auch viele weitere Siedlungspunkte in Europa aufweisen.

Das jiddische Wort „Mackes“ hat mehrere Bedeutungen, zum Beispiel Schläge, Prügel, Fehler, Wunden, Unglück, Plagen. Im biblischen Hebräisch (2. Buch Mose) werden damit jene 10 Plagen bezeichnet, die der Herr über die Ägypter kommen ließ: Blut, Frösche, Läuse, wilde Tiere, Viehseuche, Geschwüre, Hagel, Heuschrecken, Finsternis, Sterben der Erstgeborenen. Im Luxemburgischen sind Mackes oder Mokes (beide Formen sind belegt) allerdings nur in der Bedeutung Schläge, Prügel gebräuchlich.

Das jiddische Wort „Toches“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß, Hintern, Po und wurde mit eben dieser Bedeutung ins Luxemburgische übernommen. Im Luxemburger Wörterbuch finden wir außerdem den verwandten Eintrag Pokes mit den Varianten Hënner, Aasch oder Pu(p)pes und der Mischform Podokes. Vom spielerischen Umgang mit dem neuen Wortgut zeugt auch eine weitere luxemburgische Wendung. Denn es kann auch mal richtig rund gehen, wenn es heißt: Elo gët et Dokeskiirmess! Das etwas spitzbübische jiddischstämmige Wort Dokes mit dem christlichen Kirchweihfest („Kirchmess“ à Kiirmes) zu verbinden ist schon einigermaßen originell.

Da gët et Mokes op den Dokes! oder auch Lo gët et Mackes op den Duckes, mäin Alen! (in dieser Form sind die Belege im Luxemburger Wörterbuch verzeichnet) verheißen also für den Adressaten nichts Gutes. Zwar werden sie in der Phraseologie als Routineformeln bezeichnet, weil sie zu einer bestimmten Gelegenheit geäußert werden, doch man kann nur hoffen, dass Erziehungsmaßnahmen dieser Art heutzutage keine Anwendung mehr finden, auch wenn somit eine philologisch hochinteressante Redewendung aussterben dürfte.

Ane Kleine-Engel, Robert Clees, Jutta Schumacher

 

Typ: Routineformel
Quelle: LWB
Lux. Nennform: Da gëtt et Mokes op den Dokes
Bedeutung: Jetzt gibt es eine Tracht Prügel

 

LWB s.v.

Dokes: «Hinterer, Gesäß» — Setz dech op dein Dokes! — Hokes, pokes, Dokes! (Zauberformel, spaßh.); Ra.: Da get et Mokes op den Dokes (Mokes = Mackes, hebräisch: Prügel).

Pokes: 2) «Gesäß» — dafür auch: Podokes, Pup(p)es, Dokes, Hënner, Aasch — Ra.: Mueresstonn huet Gold am Monn, awer Bläi am Pokes — du kriss de Pokes gesicht, gefrueden (du bekommst Schläge) — cf. Dokes.

Mackes Kollekt.: «Prügel» — lo gët et Mackes op den Duckes, mäin Alen (zu einem Buben, der Unfug stiftete)s. Bombax.

Kiirmes: 4) […] elo gët et […] Dokeskiirmes!

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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