Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Wenn es regnet, ist im katholischen Luxemburg schnell ausgemacht, wer dafür verantwortlich ist: der Heilige Petrus. Als Apostel Simon Petrus erhielt er von Jesus die Schlüssel des Himmelreiches (Matthäus-Evangelium 16, 19) und wurde mit der Aufgabe betraut zu entscheiden, wem Einlass ins Himmelreich gewährt wird und wem es verschlossen bleibt. Im Volksglauben tritt Petrus zusätzlich an die Stelle des germanischen Gewitter- und Wettergottes Thor und bestimmt darüber, wann die Himmelsschleusen zum Regnen geöffnet werden.

De Péitrus léisst et renen ist für Landwirte in der Regel eine erfreuliche Nachricht, die eine gute Ernte erwarten lässt. Man muss ja nicht gleich mit einem Wolkenbruch rechnen, bei dem am Ende de Reen alles an de Buedem geschloen huet, oder dass es zum Schlimmsten kommt und Schlappen, Heegafelen oder gar al Fraen regnet. Auch Winzer schätzen Regen in Maßen, denn (wie es in der Moselgegend heißt) all Drëps Reen gët Wäin. Kein Wunder also, dass Regen als Gottes Segen empfunden wird und Kinder ihm zu Ehren den Reim Et reent, Gott seent aufsagen. Dieser Reim geht auf ein deutsches Kinderlied zurück („Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass …“) und ist im Luxemburgischen auch in abgewandelten Versionen bekannt: ‚T reent, ‚t reent, de Pällem (de Moudert, d’Muttergottes) gët geseent. Als besonders wohltuend gilt linder Mairegen, der nach den wilden Wetterkapriolen im April besänftigend und hoffnungsfroh stimmt. Kleine Kinder erwarten allerdings etwas zu viel, wenn sie sich in den Mairegen stellen und sprechen: Märeenche, fal op mech, da wuessen ech. Von segensreichem Regen wird auch in übertragener Bedeutung gesprochen, etwa wenn jemand vom Verdienst oder Erfolg seines Vorgesetzten mitprofitiert: Wann et reent op de Paschtouer, dann drëpst et op de Koschter, und das liegt nicht zwangsläufig daran, dass Pastor und Küster aufgrund ihres beruflichen Wirkungsbereiches einen direkten Draht zu Gott oder Petrus haben.

Doch nicht alle Menschen empfinden Regenwetter als nutzbringend, manchen schlägt es auch auf das Gemüt und sorgt für schlechte Laune. Wer e Gesiicht ewéi aacht Deeg Reen mécht(wobei es je nach Sprachgebrauch auch drei oder sieben Tage Regen sein können) oder gefragt wird Hues de Ree gelueden?, vermag seine trübe Gemütsstimmung selbst bei strahlendem Sonnenschein nicht zu verbergen. Man sollte denjenigen dann besser nicht an de Ree stellen, also nicht im Stich lassen, denn vermutlich geht es bei ihm um Schwerwiegenderes als bloße Wetterfühligkeit. Zum Glück lösen sich Missstimmungen oft von selbst wieder auf und nom Ree gët schéint Wieder.

Jutta Schumacher

 

Typ: verschiedene Typen
Quellen: LWB; Laure Wolter: 5000 Riedensaarten, Ausdréck a Vergläicher, Lëtzebuerg 1996, S. 151: „een an de Ree stellen: een nët méi ënnerstëtzen“; Laure Wolter: 2500 Spréch a Spréchwierder, Lëtzebuerg 1986, S. 90: „Nom Ree gët schéint Wieder“.

 

LWB s.v.

Péitrus I: […] als Wetterheiliger: de Péitrus léisst bet renen.

Reen: […] – de Reen huet alles an de Buedem geschloen. […] – bei großer Trockenheit (Mosel): all Drëps Reen gët Wäin. […] – hues de Ree gelueden? (zu jem., der griesgrämig dreinschaut).

al Fra: […] – ‚t reent al Fraën (an Heegafelen, a Schlappen — Sturzregen).

renen, ränen: […] – Kinderreime: ‚t reent, ‚t reent, de Pällem (de Moudert, d’Muttergottes) gët geseent […] – et reent, Gott seent.

Märeen(chen): «linder Mairegen» — Folkl. (im Kinderglauben): wenn ein Kind sich während des Monates Mai in den Regen stellt und dabei spricht: Märeenche, fal op mech, da wuessen ech.

Koschter: […] – wann et reent op de Paschtouer, dann drëpst et op de Koschter (wenn ein Höherer etwas verdient, fällt auch für den kleinen Mann etwas ab).

Gesiicht: 5) […] – e mécht (schneit) e Gesiicht […] ewéi aacht Deeg Reen.

Dag: 2) […] – e Gesiicht ewéi siwen Deg Reen (ein finsteres, mürrisches Gesicht).

dräi: […] – E mecht e Gesiicht wéi dräi Deg Reen.

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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