Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

(Alle mit @ gekennzeichneten Orte sind über einen Klick auf das @-Zeichen mit Google Maps verbunden.)

Im Ösling erheben sich mit Op Kneiff@ und dem Buergplatz zu Huldange@ nicht nur Luxemburgs höchste Höhen, die aus etwa 560 Metern über dem Meeresspiegel auf des Großherzogtums größte Binnengewässer, den Stauséi Uewersauer@ und die Barrage vu Veianen@ (Viandener Talsperre) blicken. Sprachwissenschaftlich interessierten Reisenden bietet der Norden des Landes noch so manches Kleinod:

Es gibt Spottverse auf die Öslinger Mundart, wie: den Héin klappt réin Stéin fir déi Héineschter Geméin (statt Heng, reng, Steng, Hengeschter Gemeng (Heinerscheid@)). Und in Anlehnung an das mundartliche nän/näen sagte man von jemandem, der alles verneinte: e mécht ewéi déi Hapschter Gäässen (Hobscheid@).

Merscheid       Niederfeulen                                 Foto: Ane Kleine-Engel                                                                          Foto: Barbara Engel

Auch sonst sparte man nicht mit Spott gegenüber dem spärlich besiedelten Norden. Etwa wenn man ironisch beschied: hanner Mätschäd sin nach Leit (Merscheid@) oder verkündete: zu Wäiswampech, wou d’Welt mat Brieder zougeneelt as (Weiswampach@). Wenn es drunter und drüber ging, sagte man bisweilen: da geet Holler iwwer Bënzelt (Holler@, Binsfeld@) und zu jemandem, der seine Arbeit schlecht ausführte, sagte man:  ‚t mengt än du wärs zu Fälen op d’Welt komm (Wortspiel: Fälen/Feeler zu Feulen@).  Bis heute werden Menschen, die sich nicht bedanken, zurechtgewiesen mit: Mäerzeg läit bei Fälen (Wortspiele zu merci Mertzig@Fälen/Feelen/Feulen@).

An harte Zeiten im Ösling erinnert De Sche’fer vun Aasselburn@. Letzeburger Volléksstéck a ve’er Akten (1897) von  Batty Weber (1860-1940), in dem die Geschichte des 1799 hingerichteten Michel Pintz erzählt wird. Noch lange nannte man die Nachfahren dieser Widerstandskämpfer im Klöppelkrieg nach ihren ruralen Waffen éisslécker Louklëppelen (öslinger Eichenknüppel).

Das Schicksal der lange Zeit bitterarmen Bevölkerung wird deutlich an der Ortsbezeichnung Néi Brezil@ (heute ein Teil von Grevels@). Hier siedelten nach 1828 einige luxemburgische Familien, die wenige Jahre zuvor der Armut entfliehen und im unabhängigen Kaiserreich Brasilien unter Dom Pedro ein neues Leben beginnen wollten. Als sie dort nicht Fuß fassen konnten, kehrten sie derart mittellos ins Ösling und andere Teile Luxemburgs zurück, dass sie redensartlich vom Fliegenfangen lebten; im südlicheren Mensdorf@ hieß eine Straße, in der sich solche Brasilienrückkehrer ansiedelten, daher Fléifank.

Neben Vianden, Clerf, Esch an der Sauer und Wilz ist noch vieles im Ösling sehenswert. Allerdings sollte man sich nicht nachsagen lassen, man sei féxfäerdeg fir op Ettelbréck (Ettelbrück@, „reif für die Irrenanstalt“, nach der dort gelegenen Zentralpsychiatrie) oder habe Zeit am Déikricher Kolleesch verbracht, was verschleiernd für das Diekircher@ Gefängnis stand.

Kulinarisch gehören zum Ösling auch die feststehenden Verbindungen éisslécker Ham (geräucherter Schinken) und éisslécker Gromperen (Kartoffeln aus dem Ösling). Bonne route!

Ane Kleine-Engel

Weitere Funde aus dem LWB zu Phraseologismen mit öslinger Ortschaften:

 

Éisslek, Éisselek, Éisseléng, I(i)sselek, Éischlek N.: «Ösling»

éisslécker Adj.: «öslinger» […] An d’éisselecker Lamer, Déi si besonnesch séiss!

Bicheriech ON.: Dorfteil in Boxhorn, früher berüchtigt: et as een ewéi vum B.

Déikrich ON.: […] Spitzname der Diekircher: déi Dickerecher Ieselen — zu D. gin d’Ieselen op den Härebierg, an zu Iechternach gin d’Hären op den Ieselsbierg (Teil des Troosknäpchen).

Ettelbréck ON […] déi Ettelbrécker Päerdsdéif (in Ettelbrück fand der bedeutendste Pferdemarkt des Großherzogtums statt).

Haus […] grousst Haus: zu Ettelbréck as nach e grousst H. (Anspielung auf die Ettelbrücker Irrenanstalt, um anzudeuten, daß jem. geistig nicht normal scheint)

Fälen, Felen ON.: «Feulen», […] Ra.: wéi den Hëtz (oder: Schëtz) vu F.

Grooljen ON.: «Gralingen» […] de Stëmmchen vu G. (alte Sage).

Häerzeg ON.: «Hachy, Herzig» […] H. […] as nët wäit vu Mäerzeg […] gelegtl. Zus.: a vu Fälen (s. d.).

Hieschpelt ON.: «Ischpelt, Tarchamps» […] Ra.: wann d’Ribbe gutt gerode sin, dann heescht H. Tarchamps (zum Ausdruck des Stolzes der Einwohner).

Ierpeldéng ON.: «Erpeldingen» […] Ortsneckerei: déi Ierpeldénger Kéi

Instrument, Inschtrement (Pl. -er, -en) N.: «(Musik)instrument, Werkzeug» […] an der Fiels an zu Wolz kommen all Kanner mat engem I. op d’Welt (Fels und Wiltz sind musikliebende Städtchen).

Kautebaach ON.: «Kautenbach» […] de Kautebaacher Stolz an de (Schlënner-) Maneschter Gesank, en as wuel schéin, ma dauert nët lank;

Kéiber ON.: «Küborn»[…] bemaangelt wéi déi Kéiberer Kéi (die nicht einwandfrei — nët liwwereg — waren)

Léifreg ON.: «Liefringen» […] du Léifreger Gott

Néngsen, Ningsen ON.: «Neunhausen» […] Ra. (der umliegenden Dörfer): wann déi Ningsener (Einwohner von Neunhausen) de Peffer gedeelt hun, da kënnt dat gutt Wieder (nach der Dorfkirmes von Neunhausen, Ende April, wird das Wetter schön)

Schiren ON.: «Schieren» […] Kinderreim: Bim bam Biren, d’Klacke lauden zu Sch.

Schirener (Einwohner von Schieren) — déi Sch. Kränkt — en hat d’Sch. Kränkt (eine Krankheit mit tödlichem Verlauf) — déi Sch. Kéifockerten — ei, ei, ei, soen déi Sch. Medercher

Tarschang ON.: «Tarchamps» […] Ortsneckerei: wann d’Grompre gutt gerode sin, dann as e vun T., wann se näischt sin, dann as e vun Iischpelt.

Veianer Adj.: «Viandener» — d’V. Geken (die V. Gecken, beliebter Spitzname der Viandener)

Koplescht ON.: «Kopstal» […] — beim Kegelspiel heißt es, wenn der König (oder der hintere Kegel) allein herausgespielt wird: dat sin der sechsandrësseg (véieranzwanzeg) zou K.

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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