Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

(Alle mit @ gekennzeichneten Orte sind über einen Klick auf das @-Zeichen mit Google Maps verbunden.)

Die Bezeichnung „Schweiz“ für topographisch bewegte Landschaften geht auf eine kulturgeographische Mode der Romantik zurück. Unter den knapp 200 „Schweizen“ weltweit findet man besonders häufig die „kleine“ Ausführung: „La petite Suisse“ in Frankreich, Belgien, der kanadischen Provinz Quebec und auf Haiti, „Little Swittzerland“ in Großbritanien, Irland und den USA. Es gibt „Kleine Schweizen“ nicht nur in nahezu jedem europäischen Land, sondern unter anderem in Indonesien, Korea, Martinique, Honduras, Costa Rica, Panama, Namibia, Südafrika, Japan, Israel, Uruguay, Argentinien, sogar in der Mongolei. Doch keine ist wie die „Kleine Luxemburger Schweiz“! Wer ihre Schönheit erkunden will, könnte entlang des 110km langen Müllerthal Trail wandern und seinen Durst stillen mit dem berühmten Rousperter Waasser (Rosport@). Das Brot kann der Wanderer mit anderen teilen … oder auch nicht, dann hieße es wohl: en as nët vu Giwenech, mä aus dem Nimserdall (Givenich@).

Bigelbaach

Foto: Ane Kleine-Engel

Mit der „Kleinen Luxemburger Schweiz“ blicken wir noch einmal hinaus in die weite Welt: So brüstet sich Equador, mit dem Monument „Mitad del Mundo“@ einen Markierungspunkt für die Mitte der Welt zu besitzen, seit 1736 ein französisches Exkursionsteam den Äquator markierte. Ältere Mittelpunkte der Welt finden sich u.a. im Zentrum der Grabeskirche von Jerusalem@ oder in Delphi@ am Omphalos-Stein. Für Rom legte Romolus persönlich mit dem Umbilicus Urbis@ das Zentrum des Römischen Imperiums fest. Einzig zeitlos scheint nur das luxemburgische Bigelbach@ zu sein, in dem sich – unterschiedlichen Quellen zufolge – die Mitte der Welt befindet. So berichtet nicht nur das Luxemburgische Wörterbuch: zu Bigelbaach a Römpesch hirer Tak as d’Mëtt vun der Welt. Auch das Rheinische Wörterbuch bestätigt dies mit dem Eintrag: Zo Bischelbach (in Luxemburg) a (in) Römpesch hirer Tak as de Mött (Mitte) vun der Wölt. Wer je bis Bigelbach gereist ist, wird wissen warum: Hinter der Sauer den Berg hoch in Richtung Hantges Schleff  bildet Bigelbach im Wald eine ringförmige Sackgasse. Von hier aus geht es nirgends mehr hin – das muss die Mitte der Welt sein! Römpesch in dem Spruch bezeichnet einen lokalen Häusernamen und eine Tak war die – oft sehr wertvolle, reich verzierte – gußeisene Ofenplatte zwischen der offenen Feuerstelle in der Küche und der dahinter gelegenen Wohnstube. Zweifellos ein gemütlicher Ort. Und so heißt es: et kënnt een nët aus der Tak eraus oder für den Stubenhocker auch: hie war nach nët aus (hanner) der Tak eraus. Und wenn es dann doch endlich los geht: mir souze laang genuch an der Tak, lo gi mer emol ënner d’Leit!

Bonne route!

Ane Kleine-Engel

Weitere Funde aus dem LWB zu Phraseologismen aus der Kleinen Luxemburger Schweiz:

Bech: Ra. Di Beecher am Loach, Der Deiwel hoat se gestoach.

Bigelbaach: zu Bigelbaach a Römpesch hirer Tak as d’Mëtt vun der Welt.

Giwech, -ich: Giwenech en as nët vu G. (= en as nët vum Gin), mä aus dem Nimserdall.

Hierber: Spottname der Einwohner: déi Hierber Käilkäpp — Echt.: si haten den Heilige gekäilt (eine Heiligenstatue oder ein Kruzifix mit einem Keil befestigt).

Iechternacher: d’Iechternacher Sprangprëssëssioun (s. d.) — d’Iechternacher Kränkt (Veitstanz, epileptische Anfälle u. dgl.) — déi Iechternacher kommen no, daher: en as ewéi déi Iechternacher oder ‚t mengt een e wier vun Iechternach (von einem Langsamen).

nokommen: — spöttisch auf die Einwohner von Echternach: déi Iechternacher kommen ëmmer no (kommen immer hinterher);

Spranghellegekränkt (lok. Echt.: -heiligekrénkt): «Veitstanz» (so genannt nach den «sprangen Heilgen», den Pilgern, die nach Echternach zur Springprozession kommen und dort Heilung erbitten) — dafür auch: Iechternacher Kränkt;

Mompech, -pich: lok. abweisend auf die Frage: wuer gäs de? — op M.

Rouspert, Rosport: Rousperter Waasser (Mineralwasser von Rosport).

Schäädgen, Scheedgen Spottreim auf die Einwohner: déi Schäädger om Knupp hun der Däiwel mam Rupp usw.

Stänem, Stenem: lok. Rosport: déi Stänemer kommen (hieß es bei Hochwasser).

Uesweiler:— Ortsneckerei: déi Uesweiler Brakonnieën.

Willibrord(u)skrankheet, -kränkt: «Epilepsie» (lok.) — dafür auch: Iechternacher Kränkt;

sprangen: […]  si gin op Iechternach sp. (zur Springprozession) — spréngs de mat oder gees de nëmme mat sangen? (bei der Springprozession) — hien as fir den X gesprong(en) (an Stelle von X sprang er in der Springprozession — cf. dangen) — Wetterregel: wa se dréchen zu Prüm sp., da sp. se naass zu Iechternach;

RhWB: Zo Bischelbach (in Luxemburg) a (in) Römpesch hirer Tak as de Mött (Mitte) vun der Wölt (3x belegt: s.v. Mitte, Tacken, Welt).

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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