Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Unsere moderne westliche Welt ist umgeben von Werbung, die uns so ziemlich alles aufnötigen will und die sich dazu der raffiniertesten Strategien bedient. Dabei sind die besten Werbeslogans oft diejenigen, die sich leicht einprägen lassen und schnell zu festen Wortverbindungen werden – also zu Phraseologismen. Häufig begegnen wir Werbung, die uns Produkte rund ums Essen anpreisen will und Essbares als besonders wertvoll auszeichnet, wenn es mit einem der folgenden drei Bereiche in Verbindung steht: mit der Liebe, mit der Vergangenheit oder mit der regionalen Herkunft.

„Liebe geht bekanntlich durch den Magen“, und das macht sich die Lebensmittelindustrie zunutze. So findet man Kuchen, der mat Léift gemaach ist, und genereller liest man von Backwaren, dass sie mat Léift gebak sind. Bei diesen Phraseologismen handelt es sich um Kollokationen mit der Struktur mat Léift + Verb (überwiegend dem Funktionsverb maachen). Diese Struktur in Verbindung mit der Liebe findet sich auch im Deutschen und im Französischen: „mit Liebe“ + Verb bzw. Verb + „avec amour“. Und wenn es ums Essen geht, möchte man sich natürlich gerne vorstellen, dass es mit Liebe zubereitet wurde.

„Die guten alten Zeiten“ sind ein weiteres Lockmittel, mit dem Werbeslogans auf Sinnlichkeit und Genussfreude abzielen, um uns zum Kauf zu verführen, oft unter der Verwendung von komparativen Phraseologismen. So ist Béier wéi fréier nicht nur klanglich ein origineller Slogan, er weckt auch Assoziationen mit der langen Tradition der Bierbraukunst, und „früher war alles besser“. Zoppen ewéi bei der Bomi weisen dagegen eher indirekt auf die Vergangenheit hin, geht es hier doch in erster Linie um die sentimentale Erinnerung an Geborgenheit und Sicherheit, die hervorgerufen werden soll, und um die bedingungslose Liebe, die Großmütter ihren Enkelinnen und Enkeln entgegen bringen.

Regionale Herkunft verspricht ebenfalls Sicherheit, wenn auch weniger auf der emotionalen, als vielmehr auf der pragmatischen Ebene. Denn in der globalisierten Welt scheint sich die regionale Produktion gerade in Bezug auf Lebensmittel als ein Symbol für Qualität zu erweisen und einen beruhigenden Effekt auf den Konsumenten zu haben. Eventuelle Ängste vor ungewollten Manipulationen von Nahrungsmitteln oder ungeahnten Misshandlungen von Natur, Tieren und Arbeitskräften sollen ausgeräumt werden, wenn man auf lokale Produkte zurückgreift. Entsprechend werden regionale Produkte beworben: Qualitéit vun heiheem, Qualitéit vum Haff, Vum Bauerenhaff op den Dësch oder Aus der Regioun fir d’Regioun. In Zeiten der internationalen Kontakte und des weltweiten Handelsmarktes bringt man dem Bauer von nebenan dann doch mehr Vertrauen entgegen als dem Großhändler in irgendeinem fernen Land.

Graziella Losciale

Typ verschiedene Typen
Quelle Werbeplakate, -broschüren, -flyer

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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