Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Blasinstrumente sind doch was Schönes, zumal an den Lippen von Musikern, die ihnen wohlklingende Töne und Melodien zu entlocken verstehen. Dazu braucht es allerdings viel Übung, und wer sein Instrument nicht recht beherrscht, macht sich mit nervtötenden Missklängen unbeliebt: deen tut engem d’Ouere (de Kapp) voll oder en trotert engem de Kapp voll, datt et engem läschteg gët.

Diese Redewendungen werden idiomatisch verwendet, wobei Tuten und Troteren für unliebsames Geschwätz stehen, das man ebenso wenig hören möchte wie dilettantisch hervorgebrachte Blasinstrumententöne. Schnell geschieht es dann, dass man völlig erschöpft ist und sich fühlt, als sei man am Ende seiner Tage: e bléist (päift) um leschte Lach wie beim Spielen eines Blasinstruments, aus dem man mit letzter Kraft nur mehr einen einzigen Ton herausbringt. Möchte man es nicht so weit kommen lassen und einen lästigen Zeitgenossen schnellst möglich los werden, sollte man ihm de Marsch blosen und bezieht sich damit auf das militärische Trompetensignal, mit dem früher Soldaten zum Aufbruch kommandiert wurden.

Es kann jedoch auch harmonisch zugehen, nämlich wenn zwei Menschen an än Huer blosen, d. h. derselben Meinung sind und ein gemeinsames Interesse verfolgen. Die Redensart stammt aus der Zeit, in der es noch keine Ventilhörner, sondern Naturhörner gab, auf denen man nur in einer Tonart spielen konnte. Wenn zwei also ins gleiche Horn bliesen, stimmten sie sinnbildlich in der Tonart überein und schlossen Dissonanzen aus.

Womöglich mehr scheinbar harmonisch und einvernehmlich tun sich Menschen unter einem herrischen Anführer zusammen, die all no senger Päif danzen mussen. Bei ihnen ist es wie in der Äsopischen Fabel (auf die die Redewendung zurückgeht) vom Fischer, der die Fische mit seinem Flötenspiel erfolglos anzulocken versucht und sie schließlich gewaltsam einfängt. Das Bild vom lockenden Musikanten erlangte in den Totentänzen der Renaissance besondere Berühmtheit, in denen der oft Flöte oder Geige spielende Tod die Menschen zu seinem Tanz abholt. Wohl dem, der sich dem Zwang entziehen und sagen kann: ech gin nët op d’Päif oder ech päifen der drop. Wer jedoch einen Verstorbenen zu beklagen hat, bléist d’Driibsal op den Nouten, was auf die Trauermusik zurückgeführt wird, mit der vom Kirchturm aus ein Sterbefall angezeigt wurde. Heute wird die Wendung eher im Zusammenhang mit weniger tragischen Gefühlsverstimmungen und zuweilen ironisierend gebraucht.

Sollte Ihnen nach der Lektüre dieses Sproch vum Mount noch jemand vorwerfen, Sie hätten vun Tuten a Blose keng Ahnung, pfeifen Sie einfach drauf, es stimmt nämlich beileibe nicht.

Jutta Schumacher

Typ: Idiom, feste Phrase
Quelle: LWB, LOD

LWB s.v.

blosen 2) […] e bléist (auch: päift) um leschte Lach – e versteet näischt vun Tuten a Blosen – e bléist d’Driibsal op den Nouten 5) […] engem ët blosen (auch: de Marsch, Parademarsch blosen «jem. gehörig zurechtweisen»).

danzen 1) […] – mir mussen all no sénger Päif danzen.

Huer […] an än Huer blosen (sie haben dieselbe Meinung).

Päif 1) […] ech gin nët op d’Päif (bin nicht sofort zu Diensten).

päifen 1) […] – um leschte Lach päifen […] – ech päifen der drop.

troteren 2) «schwatzen» (abfällig) – en trotert engem de Kapp esou voll, datt et engem läschteg gët.

tuten 1) a. […] – substantiv.: dee kennt vun T. a Blosen näischt; […] 2) a.: «schwatzen» – deen tut engem d’Ouere (de Kapp) voll.

LOD s.v.

tuten 1.: du hues vun Tuten a Blose keng Ahnung! [du hues vun näischt eng Ahnung!]

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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