Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Mit der Affäre ist das so eine Sache … im wahrsten Sinne des Wortes. Allerdings handelt es sich dabei kaum mehr um etwas, das „zu tun“ ist, wie es die Etymologie des Wortes vermuten lässt: bereits im Altfranzösischen wurde es aus dem Verb „faire“ mit der vorangestellten Präposition „à“ gebildet. Im heutigen Sprachgebrauch hat das Wort ganz verschiedene Bedeutungen, besonders im Luxemburgischen, wo die Affär das Bedeutungsspektrum der französischen affaire ebenso umfasst wie das der deutschen Affäre. Entsprechend vielfältig sind auch die phraseologischen Wendungen, in denen das Wort Verwendung findet.

Um die Affär als Bezeichnung für einen juristischen Fall kennen wir vornehmlich onymische Phraseme (Wortverbindungen mit der Funktion von Eigennamen), die oft für einen Skandal oder Eklat stehen. Hierzu gehören etwa d’Affär Dreyfus, d’Affär Bommeleeër oder d’Waldbëlleger Affär. Wer sich nicht eigentlich schuldig gemacht hat, aber dennoch Gefahr läuft, in einen Rechtsstreit hineingezogen zu werden, könnte eng (domm) Affär bzw. Affäre kréien. Geht es um Handelsgeschäfte, lassen sich gutt, grouss, schlecht, keng oder wéineg Affäre maachen, und es schätzt sich glücklich, wer a gudden Affären steet anstatt sagen zu müssen: d’Affäre gin net. Heißt es wiederum, dass jemand eng Affär huet, ist im Luxemburgischen wie im Deutschen ein zu verheimlichendes Liebesabenteuer gemeint – eine Wortbedeutung, die es so in der französischen Quellsprache nicht gibt.

Die heute gängigsten Wendungen kreisen um die Affär in der Bedeutung: Sache, Angelegenheit, Umstand, Begebenheit. Die Affär de Goût beispielsweise gelangte als Fremdphrasem unverändert aus dem Französischen übernommen ins Luxemburgische und wird daher oft auch in der französischen Schreibweise (affaire de goût) wiedergegeben. Wat eng Affär! ist dagegen eine Lehnübersetzung des französischen quelle affaire! und bezieht sich in der Regel auf skandalöse oder skurrile Begebenheiten. Wer belanglosere Angelegenheiten wichtigtuerisch aufzubauschen versteht, mécht eng Staatsaffär draus. Will man sich dagegen in einer brisanten Situation aus seiner Verantwortung stehlen, muss een sech aus der Affär eraus ze zéie wëssen.

Gerne hört man es, wenn jemand sagt: dat as jo keng Affär, denn dann kann derjenige eine Aufgabe schnell erledigen oder ein Problem leicht lösen. Ganz anders, wenn es heißt: dat ass keng kleng Affär oder ‘t as eng ganz Affär. Dann besteht Handlungsbedarf, weil man eine Sache ziemlich unterschätzt hat. Diese Wendungen sind aus dem Französischen entlehnt, wo sie heißen: ce n’est pas une petite (mince) affaire bzw. c’est toute une affaire.

Aus der ursprünglich eher neutralen Affäre sind also Wendungen mit den unterschiedlichsten Bedeutungen entstanden – wat eng Affär!

Jutta Schumacher

Typ: verschiedene Typen
Quellen: LWB; Dictionnaire français-luxembourgeois (Hg. L. Derrmann-Loutsch), Luxembourg 2006; Dictionnaire étymologique des elements français du luxembourgeois (Hg. G. Bender-Berland et al.), fasc. 1, Tübingen 2003; Wikipedia: lb.wikipedia.org/wiki/

LWB s.v.

Affär: 1) […] eng domm Affär domat kréien […] 2) […] e mécht schéin, gutt, grouss, schlecht, keng, wéineg … Affären – e steet a gudden Affären –  […] d’Affäre gin nët – […] dat as jo keng Affär […] 4) […] en hat Affäre mat engem Framënsch […] 5) […] wat eng Affär! […].

Dictionnaire français-luxembourgeois s.v.

affaire: […] dat ass eng Affaire de goût […] eng Staatsaffär draus maachen

Dictionnaire étymologique des elements français du luxembourgeois s.v.

Affär (zit. nach H. Rinnen: Dictionnaire français-luxembourgeois 1988: […] ‘t as eng Affär de Goût; […] dat as keng Affär; […] sech aus der Affär (der Saach) eraus ze zéie wëssen; […] dat as eng ganz wichteg (Staats)Affär; […] ‘t as eng ganz Affär […].

Wikipedia s.v.

Affär Dreyfus

Bommeleeër

Waldbëlleger Affär

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

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