Zur Zeit werden die folgenden Dissertationen am Institut erarbeitet

Fabienne Gilbertz: Professionalisierungsprozesse der Luxemburger Literaturen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (ca. 1945-1980)

(Supervisor: Jeanne E. Glesener)

Die Dissertation möchte die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden und bis heute andauernden Konstituierungsprozesse der drei wichtigsten Luxemburger Literaturen (auf Luxemburgisch, Deutsch und Französisch) systematisch erarbeiten. Zur Kontextualisierung der Fragestellung soll zunächst eine Betrachtung der Wiederaufnahme der literarischen Produktion nach dem Ende der Fremdherrschaft und ihrer Narrative der Aufarbeitung und (sprachlichen) Identitätsbestimmung erfolgen. Dabei gilt es, die Bedeutung der damals entstandenen, von der Forschung bisher wenig berücksichtigten Werke für die Etablierung eines Luxemburger Literatursystems herauszustellen. Daraufhin wird eine Tendenzwende beschrieben, die Mitte der sechziger Jahre in expliziter Abgrenzung zur Nachkriegsliteratur von einer jüngeren Autorengeneration eingeleitet wird. Es soll die These formuliert werden, dass ihre Forderungen nach einer intellektuellen und ästhetischen Erneuerung, sowie nach einer Solidarisierung und Institutionalisierung der Literatur nicht zuletzt politisch motiviert sind.

Das Projekt versteht sich als ‚polykontexturale‘ Analyse, welche, in Anlehnung an (literatur-)soziologische Modelle der System- und Feldtheorien, die Literatur nicht isoliert, sondern vielmehr als ein integrales und zugleich binnendifferenziertes Teilsystem der Gesellschaft betrachtet. Ziel ist es, die vielfachen, sich über die Zeit wandelnden Interdependenzen zwischen den Luxemburger Literaturen und ihren Umwelten sichtbar zu machen. Dabei muss das Luxemburger Literatursystem als ein dynamisches verstanden und seine Konstituierung stets vor der Folie einer Gesellschaft beobachtet werden, die wesentlich durch Mehrsprachigkeit und Interkulturalität geprägt ist. Für die Untersuchung der sich allmählich gegen Rückschläge und Stagnation durchsetzenden Professionalisierung der Literaturen ist eine Berücksichtigung insbesondere der wirtschaftlichen und (kultur-)politischen Strukturen unerlässlich. Einerseits soll dargestellt werden, in welchem Maße der bis in die achtziger Jahre währende Mangel an genuin literarischen Publikationsforen die Entwicklung des Literatursystems gehemmt hat; andererseits sollen die ab den späten siebziger Jahren einsetzenden Institutionalisierungsprozesse und ihre Konsequenzen für die Luxemburger Literaturen beschrieben werden.

 

Judith Manzoni: Intonatorische Interferenzen bei multilingualen Sprechern. Luxemburgisch im Kontakt mit Deutsch und Französisch.

(Supervisor: Peter Gilles, Angelika Braun (Trier))

Die Prosodie im Allgemeinen und die Intonation im Besonderen wurden in Bezug auf die luxemburgsiche Sprache bis dato nicht vertiefend untersucht. Diese Lücke soll mit dem hier vorgestellten Promotionsprojekt geschlossen werden, da es sich bei der Intonation um ein wichtiges Teilgebiet der Linguistik handelt.

Eine erste Frage lautet demzufolge: Wie lässt sich die Intonation des Luxemburgischen beschreiben? Da für die Beschreibung von Intonation kein einheitliches System vorliegt, müssen zunächst die intonatorischen Beschreibungsverfahren (z.B. konturbasiertes Modell, Tonsequenzmodell, …) miteinander verglichen werden, um herauszufinden, welches sich am besten eignet, bzw. ob nicht eine Kombination notwendig ist, um sowohl phonetische Parameter beschreiben zu können, als auch die Verknüpfung zur phonologischen Organisation herstellen zu können. In einem weiteren Schritt findet die Analyse aufgenommener Sprachdaten statt. Zu den phonetischen Untersuchungsparametern gehören Form und Typ des Ton- bzw. Nuklearakzentes, F0mean, F0Umfang (F0max-F0min), Standardabweichung und die Gipfelposition. Um einen möglichst vollständigen Überblick über das Inventar der Intonationskonturen zu erhalten, sind die zu untersuchenden Sprachdaten natürlichsprachlich, da mit experimentellen Daten nie alle möglichen Muster abgefragt werden können. Zudem weist Lesesprache andere intonatorische Muster auf als Spontansprache.

Darauf aufbauend wird der multilinguale Kontext in Luxemburg mit in die Analysen einbezogen. Es wird untersucht, ob luxemburgische Sprecher die typisch luxemburgischen intonatorischen Muster übernehmen, wenn sie Deutsch oder Französisch sprechen. Die zweite große Frage lautet also: Bilden multilinguale, luxemburgische Sprecher intonatorische Interferenzen in den Fremdsprachen Deutsch und Französisch? Dazu muss ein Vergleich zum Deutschen und zum Französischen angestellt werden, um erkennen zu können, wo potenzielle Interferenzen auftreten. Auch für diese Analyse wird spontansprachliches Material untersucht.

Die anschließende Interpretation der Daten sowie die zuvor beschriebene Intonation des Luxemburgischen vervollständigen, auf dem Gebiet der Prosodie, die Forschung zur Luxemburgistik und zur Multilingualität (allgemein und in Bezug auf die luxemburgische Sprache).

 

Sara Martin: Das Spannungsfeld zwischen pragmatischem und semantischem Genus im Luxemburgischen und Moselfränkischen

(Supervisor: Peter Gilles)

Die Dissertation erforscht das Spannungsfeld zwischen pragmatischem und semantischem Genus und beschäftigt sich daher mit der Genuszuweisung bei der Referenz auf weibliche Personen im Luxemburgischen und im Moselfränkischen. Da weibliche Rufnamen – und z.T. auch Personen-/Verwandtschaftsbezeichnungen – hier meistens (oder sogar ausschließlich) im Neutrum stehen, kommt es zu Genus-Sexus-Inkongruenzen. Das Genus ist dabei am Definitartikel zu erkennen (mit gewissen Einschränkungen für das Luxemburgische aufgrund des starken Kasussynkretismus); so heißt es z.B. et Anna im Moselfränkischen. Zusätzlich kommt es vor, dass das am Artikel markierte Genus nicht unbedingt mit dem anderer Genusträger, wie bspw. vor allem dem Personalpronomen und/oder dem Possessivartikel, übereinstimmt. Dies trifft für das Luxemburgische insbesondere bei „komplexeren“ Personenreferenzen zu (z.B. Kombination RufN + FamN Laura Kremer oder Titel + RufN Herzogin Kate). Die Wahl des Genus hängt hier von pragmatischen Faktoren wie Alter/Altersunterschied, Respekt, sozialer Stellung, etc. ab und generell ist der Aspekt der pragmatischen Distanz entscheidend. Die neutralen Formen sind dabei im Untersuchungsgebiet keineswegs negativ konnotiert, sondern werden eher als „normal“ und vertraut wahrgenommen.

Da das Phänomen bisher weitgehend unerforscht geblieben ist, sollen die Gebrauchsmuster der femininen und neutralen Formen sowie die genauen soziopragmatischen Faktoren, die die Genuswahl beeinflussen, mithilfe von eigens dafür erhobenen Sprachdaten untersucht werden. Dazu werden quantitative (Online-Fragebogen) und qualitative Datenerhebungsmethoden (Explorationen) kombiniert. Die Explorationen sind als Befragungen in Form verschiedener Aufgabenstellungen an ausgewählten Ortspunkten im ganzen Untersuchungsgebiet zu verstehen. Allgemein wird dabei bei beiden Methoden ein möglichst breites Spektrum an weiblichen Personenreferenzen abgefragt. Da die Gebrauchsmuster der femininen und neutralen Formen bei der Referenz auf weibliche Personen für Nicht-Muttersprachler aufgrund der Komplexität des Phänomens nur schwer zu erlernen sind, werden auch sie bei der Untersuchung miteinbezogen. Eventuelle Unterschiede zwischen Muttersprachlern und Nicht-Muttersprachlern hinsichtlich der Gebrauchsmuster gilt es herauszustellen. Schließlich soll die Interpretation der gesammelten Daten zu einem besseren Verständnis der pragmatischen Faktoren und des Phänomens an sich führen.

 

Sam Mersch: Mikrotoponymie des Luxemburgischen (2017-2021)

(Supervisor: Peter Gilles)

 


 

Abgeschlossene Promotionen

Maike Edelhoff: Wird die Staatsgrenze zur morphologischen Grenze? Eine empirische Untersuchung zum Diminutiv im moselfränkisch-luxemburgischen Übergangsgebiet (2017)

(Supervisor: Peter Gilles, Damaris Nübling (Mainz))

Research on Luxembourgish (LUX) word formation, especially derivation, has been largely disregarded until lately; the latest publication on the diminutive available is BRUCH 1949. This PhD project investigates the LUX diminutive, focusing on its formal and functional characteristics as well as their areal distribution in LUX and the neighbouring Moselle Franconian (MFRC) area.
On a formal level, three major peculiarities stand out:

1. Gender stability: While the MFRC diminutive suffix assigns neuter gender to the derivative (e.g. déiBlumm (f) – dat Blimmchen (n) ‘flower’), the LUX diminutive retains the gender of its base (e.g. déi Blumm (f) – déi Blimmchen (f)). The MFRC variant is thus closer to the German standard, whereas the LUX diminutive dissociates further from it.
2. Double plural marker: Plurals of central LUX diminutive forms often seem to bear two plural markers: one following the basis (cf. Hiem-er– ‘undershirt’) and one following the diminutive suffix (cf. Hiem-er-ch-er) whereas their MFRC counterparts use only one suffix (cf. Hiem-cher). In the Western region of the country, however, these double plurals do not exist; instead the only plural marker follows the basis (cf. Hiem-er-chen), while the suffix is directly attached to this apparent plural form. The cause for the existence of these three particular plural markings still needs to be assessed.
3. Umlaut: The LUX diminutive requires umlaut (e.g. FraFrächen ‘woman’), whereas the productivity of umlaut seems to decrease (e.g. FraauFraauchen) in parts of the MFRC region.

Features (1-3) contradict two theoretical assumptions: first, that derivative suffixes generally determine the gender of derivatives (cf. 1)) and second that inflectional suffixes never precede derivational ones (cf. 2)). This thesis discusses reasons for the noteworthy anomalies in LUX.
These formal features will also form the basis of a language geographical approach. The underlying question is how these phenomena are distributed over the LUX country and the bordering MFRC region and whether the linguistic borders coincide with the political one.

Noteworthy traits on a functional level include:
4. Pragmatisation: The meaning of the LUX diminutive tends to shift from ‘small’ to ‘familial’, ‘affective’ and ‘close’ (cf. Lännchen ‘countryDIM meaning Luxembourg’).
5. Lexicalisation: Many LUX and MFRC diminutives have lost connection to a lexical base (e.g. Puppelchen  – *Puppel ‘baby’). This project will also look into the extent of these tendencies.
This project is original in being the first to provide a comprehensive description of the LUX (and MFRC) diminutives and to investigate morphological isoglosses between LUX and MFRC

Tina Thill: Une étude acoustique et comparative sur les voyelles du luxembourgeois (2017)

(Supervisor: Peter Gilles, Martine Adda-Decker (Paris))

Parmi la recherche scientifique sur la parole, les quelques études qui se sont intéressées au luxembourgeois font exception. Pourtant, le luxembourgeois est une langue qui évolue dans une société multilingue et l’intérêt de faire une étude sur la parole du luxembourgeois réside par conséquent dans la variété des sons de la langue : le luxembourgeois possède ses propres sons et importe aussi des sons étrangers à partir des lexiques français et allemand intégrés à la langue.

Ma thèse s’inscrit dans le cadre de la recherche sur la phonétique acoustique et la sociophonétique appliquées aux voyelles du luxembourgeois. Je cherche à fournir des informations précises sur les sons de la langue telle qu’elle est actuellement parlée dans la société du Grand-duché de Luxembourg. Dans mon étude, je m’intéresse aux réalisations vocaliques en tenant compte de différents critères sociaux : pouvons-nous observer des changements phonétiques entre les générations de locuteurs ? Quelles similitudes et/ou différences existent-ils entre les hommes et les femmes ? Les lieux de résidence et d’activités exercent-ils un impact sur les réalisations vocaliques ? Les connaissances linguistiques du locuteur influencent-elles la production des voyelles ?

Le premier objectif de ma recherche est de collecter des données sur la langue standard à partir d’enregistrements d’un corpus de laboratoire afin d’établir des valeurs de référence pour chaque voyelle du luxembourgeois. Je considère pour cela le parler des locuteurs natifs de la région centrale du pays et dont le luxembourgeois est la langue maternelle. Dans un deuxième objectif, je procède à une collecte de données de parole spontanée dans les dialectes régionaux, c’est-à-dire le Nord, le Sud et l’Est du Luxembourg, et je compare les réalisations vocaliques des dialectes aux valeurs de référence.

Sur le spectrogramme, j’observe également les effets de coarticulation dans la parole, la réalisation acoustique des sons étrangers, les phénomènes de monophtongaison et de diphtongaison, ainsi que l’ellipse du schwa /ә/. L’approche méthodologique de la sociophonétique combinée avec des analyses acoustiques permet de rendre compte de l’évolution du luxembourgeois dans la société et d’enrichir un champ d’étude peu exploré jusqu’à présent.

Caroline Döhmer: Aspekte der luxemburgischen Syntax (Supervisor: Peter Gilles) (2017)

Die Erforschung syntaktischer Muster in den germanischen Sprachen schreitet immer weiter voran. Doch wo befindet sich das Luxemburgische? Welche Konstruktionen und Besonderheiten sind hier auffindbar? Das Promotionsprojekt “Aspekte der luxemburgischen Syntax” widmet sich genau diesen Fragen. Das Hauptziel liegt also in der vorrangig deskriptiven Erschließung der wichtigsten Phänomene innerhalb der luxemburgischen Syntax. Im Gegensatz zu den bereits existierenden Abhandlungen zum Luxemburgischen, die sich meist nur am Rande mit syntaktischen Mustern beschäftigen und zudem rein introspektiv – d.h. ohne Berücksichtigung mehrerer Sprecher oder unterschiedlicher Textsorten – erarbeitet wurden, handelt es sich hierbei um eine umfangreiche empirische Analyse, welche auch dazu dient, die Darlegungen aus der bisherigen Forschung zu hinterfragen bzw. zu erweitern. Die empirische Grundlage bildet ein Korpus mit über 60 Millionen Wortformen aus über 20 Textquellen; dies sind einerseits Texte aus so genannten Online-Textsorten wie Chat, Forum und Online-Kommentare sowie andererseits aus Offline-Textsorten wie Politikerreden, Interviews und Literatur.

Im Wesentlichen soll die luxemburgische Syntax in ihren Grundzügen so erfasst werden, wie sie heutzutage angewendet wird. Welchen Status nimmt der Genitiv im Luxemburgischen ein? Was sind die Eigenschaften von schwachen und starken Pronomen? Welche Möglichkeiten der Satzstellung stehen zur Verfügung? Gibt es Präferenzmuster? Insgesamt werden auch theoretische Syntaxkonzepte besprochen und in Bezug auf die Ergebnisse problematisiert.

Die Auswahl der Phänomene sowie deren linguistische Interpretation wird dabei so umfassend und präzise wie möglich sein, während der Anspruch auf Vollständigkeit in diesem Rahmen schwierig zu gewährleisten ist. Nachdem das Formeninventar des Luxemburgischen in einer Art Kurzgrammatik dargelegt wird, folgt die eigentliche syntaktische Analyse. Diese bezieht sich auf vier Hauptkategorien: Kasussyntax (Genitiv und Partitiv), Semantik und Serialisierung von Personalpronomen, Verbcluster und Satzverbindungen. Da syntaktische Konstruktionen meistens von mehreren Faktoren abhängig sind, werden in diesem Kontext unter anderem sprachhistorische, informationsstrukturelle sowie soziolinguistische Aspekte berücksichtigt. Auch phonologische und morphologische Kategorien können für die Erklärungen relevant sein. Die Arbeit sieht bewusst davon ab, die luxemburgische Syntax mit der deutschen zu kontrastieren, da es in erster Linie darum geht, die grundlegenden Syntaxphänomene im Luxemburgischen zu erschließen und eine leicht zugängliche und verständliche Studie zu präsentieren.

Luc Belling: Language variation on Facebook – Strukturen und Funktionen von sprachlichen Variationsmustern des „Lëtzebuergeschen“ in Online-Kommunikation (Supervisor: Peter Gilles, co-tutelle mit Prof. Dr. Evelyn Ziegler, Universität Duisburg-Essen) (2015)

This doctoral research will systematically describe the use of the Luxembourgish language on Facebook (a well-known Social Network Site). The main objective of the research consists in building on current theoretical frameworks of computer-mediated communication (CMC), and to improve the knowledge of Luxembourgish language patterns used in this popular new communication mode. The project intends to cross theoretical and methodological frameworks in order to increase the empirical knowledge on Luxembourgish language.  A corpus will be created with a one-year longitudinal measurement of Facebook users. This method allows for quantifiable results. Public comments and messages from Luxembourgers will be collected to form the body of data. This collection of messages on users’ “walls” will be analyzed and classified according to various linguistic characteristics. The main focus aims to reveal the effects of digital online communication on structures and functions of written language. The orthography and spelling forms of the corpus will be monitored to analyze possible language change tendencies in the Luxembourgish language. The project assumes that this new sort of communication on social network sites is a special kind of typed form but with certain aspects of oral communication.
It should enable the researcher to measure newly developed linguistic features of written Luxembourgish in this new form of communication. Relevant patterns will be compared, validated, and structured. The communication mode of SNS enables the possibility to analyze a more user related language variation instead of genre related. This sociolinguistic analysis aims to demonstrate the link between social characteristics and the linguistic variability to create a classification of sociolinguistically relevant variation patterns. The results will contribute to the current understanding of the theoretical background related to CMC, as well as increase the knowledge of the use of Luxembourgish.

Walter Amaru Flores Flores: Die luxemburgischen Familiennamen entlang der historischen Grenzen (zu Deutschland) (Supervisor: Peter Gilles) (2015)

Within the larger framework of the multiannual project “Luxemburgischer Familiennamenatlas (LFA)” this dissertation investigates the family names occurring around the historic borders of Luxembourg. Therefore, an (as far as possible) extensive sample of the family names in the border regions shall be compiled and investigated in two ways: First, the geographical distribution of these names will be analyzed using maps drawn with an online tool especially created for the LFA. Special attention will be given to features which are shared by the names on both sides of the historic borders or which distinguish them. Second, a statistical analysis of the proportions of the different etymological sources will be carried out. This analysis will be based on the up-to-date etymologies newly developed within the LFA. New etymologies shall be developed where they haven’t been provided by the LFA yet, thus contributing to the greater goal of the LFA to deliver etymologies to all Luxembourgish family names. Again, special attention shall be turned to the influence of the historic borders. The working hypothesis to be tested here is that the historic borders have a bigger influence on those names derived from toponyms (i.e. names of origin) than on others (as occupational names, nick names, patronyms/metronyms etc.).
The results are investigated in a contrastive perspective: The Luxembourgish family names are described as an independent system sharing both, similarities and differences compared to the neighboring countries. Maps and statistical evaluations of the etymologies will be accompanied by a historical sounding. E.g., the geographical distribution is verified by data derived from historical name books.
The study shall result in a dissertation comprising both an wide selection of maps to ensure maximal clarity and extensive statistical analysis especially in a contrastive perspective. The approach taken will respond to both, the general public interest in family names and current questions discussed by onomastical experts.

François Conrad: Soziophonetik und Sprachkontakt. Phonetisch-phonologische Variation im luxemburgischen Konsonantismus (Supervisor: Peter Gilles) (2015)

Das Luxemburgische bietet aufgrund der weltweit einmaligen Dreisprachigkeit und dem hohen Sprachkontakt mit zwei großen, unterschiedlichen Sprachsystemen (Französisch und Deutsch) eine Vielzahl spannender Forschungsfelder. Auf fast allen sprachlichen Ebenen (Lexik, Syntax, Phraseologie, Morphologie, …) zeigt das Luxemburgische eine starke Variation, bei der in der Regel stets die (un)bewusste Wahl zwischen einem eher am Deutschen oder eher am Französischen orientierten Variante besteht (vgl. zesummefasssen vs. resuméieren). Mein Promotionsprojekt widmet sich dem rein lautlichen Aspekt diese Variation, der bislang in der Forschung nur bedingt berücksichtigt wurde.

Die Grundfrage lautet, wie und wie stark sich der Einfluss beider Nachbarsprachen auf die Aussprache des Luxemburgischen auswirkt. Hierfür wurde ein Sample von Wörtern erstellt, die sowohl im Deutschen und im Französischen auftreten, dort jedoch anders ausgesprochen werden (z.B. Strategie/stratégie; Person/personne, Logik/logique). In einem Experiment äußern luxemburgische MuttersprachlerInnen diese Wörter im Luxemburgischen. Es wird im Anschluss festgestellt, ob diese Äußerungen dem Deutschen, oder dem Französischen näher liegen, oder eine genuin luxemburgische Aussprache vorliegt (und wie diese aussieht).

Eine Verteilung wie im folgenden Beispiel der Aussprache von 8 SprecherInnen ist dabei nicht unüblich (Übersetzung eines deutschen und eines französischen Satzes ins Luxemburgische, in dem jeweils das Wort Situation enthalten war; in Klammern die Anzahl der SprecherInnen pro Variante):

Übersetzung aus dem Deutschen [zɪtuaˈtsjo:n]:

dt. er hat in dieser Situation Verantwortung gezeigt -> lux. hien huet an dëser Situatioun Verantwortung gewisen

–    [zitwɑˈtsjəun] (1), [zitwɑˈsjəun] (2), [sitwɑˈtsjəun] (1), [sitwɑˈsjəun] (3), [tsitwɑˈsjəun] (1)

Übersetzung aus dem Französischen [sitɥaˈsjõ]:

fr. tu avais raison dans cette situation -> lux. du has Recht an dëser Situatioun ‚du hattest Recht in dieser Situation‘

–   [zitwɑˈsjəun] (2), [sitwɑˈtsjəun] (1), [sitwɑˈsjəun] (5)

Die Aussprache von 48 Personen aus 2 Regionen (Süden und Zentrum), von 3 Generationen, mit unterschiedlicher Schulbildung (klassisches vs. technisches Gymnasium) und einer gleichmäßigen Verteilung der Geschlechter wird miteinander verglichen und es werden Systematiken herausgearbeitet. Die quantitativ soziolinguistische Variationsanalyse untersucht also den Einfluss der Nachbarsprachen auf die luxemburgische Lautung (v.a. auf die Konsonanten) in verschiedenen SprecherInnengruppen.

Christine Breckler: Die Nominalphrase im Luxemburgischen (Supervisor: Peter Gilles) (2013)

Das Projekt befasst sich mit der Nominalphrase im Luxemburgischen. Im Einzelnen werden die Flexion von Artikelwörtern, Adjektiven und Substantiven in der Nominalgruppe untersucht: Was zeichnet die Deklination im Luxemburgischen aus und wie wird die Verteilung der grammatischen Merkmale determiniert, dies sind zentrale Fragen, von denen die Dissertation ausgehen will.

Mehrere Beobachtungen liegen dieser Fragestellung zugrunde: Der Aufbau der nominalen Flexion ist im Luxemburgischen in Bezug auf die morphologische Kasuskennzeichnung stark vereinfacht. Am Substantiv wurde Kasus abgebaut und Numerus auf innovative Weise profiliert, in den Paradigmen der Adjektiv- und Artikelflexion fallen die Nominativ- und Akkusativformen zusammen, Genitiv wird nicht mehr neu gebildet und auch die Distinktion eines ‚schwachen‘ und ‚starken‘ Flexionstyps ist lediglich partiell erhalten. Bestimmter wie auch unbestimmter Artikel hingegen haben in ihren klitischen und in ihren reduzierten und vollen Formen allomorphische Varianten ausgebildet, deren Distribution und Funktion in der Nominalgruppe für das Luxemburgische noch erschlossen werden muss.

Erstes Ziel der Untersuchung ist damit die Erarbeitung und Dokumentation der Regeln, die dem Verhalten von Artikelwörtern, Nomina und Attributen in der Nominalphrase zugrunde liegen. Die Arbeit ist in diesem Sinne zunächst deskriptiv angelegt. Eigene Erhebungen sollen die Grundlage für eine systematische linguistische Beschreibung bieten, die den spezifischen Charakteristika der luxemburgischen Sprache gerecht wird, und im zweiten Schritt dann in einem erklärenden Ansatz eine Interpretation des synchronen Befundes, wie auch des jüngeren Sprachwandels erlauben. Steht am Ausgangspunkt eine morphologische Perspektive, so muss darüber hinaus auch die Interaktion von Morphologie und Syntax und die eventuelle phonologische Motivierung erarbeitet werden.

Anne Franziskus: Managing Linguistic Diversity at the Workplace (Supervisor: Peter Gilles) (2013)

My PhD research project deals with the linguistic practices of cross-border workers at workplaces in Luxembourg. It is an ethnographic study of the way in which these cross-border workers interact at work. The study consists of an analysis of recorded interactions among cross-border workers and their working colleagues. My project is situated within the field of interactional sociolinguistics.

As the result of a massive increase in economic migration across Luxembourg’s borders in recent decades, the population of the Grand Duchy now consists of around 43% resident foreigners, who are joined daily by approximately 140,000 frontaliers. These frontaliers, who live in the neighbouring border regions of France, Belgium and Germany, now account for a striking 44% of the workforce. Despite this major social change, very little sociolinguistic research has been undertaken on the language attitudes and behaviours of this group of economic migrants. This represents a major gap in research, given that the official trilingualism of Luxembourg and the high proportion of non-Luxembourgish nationals in the Luxembourg economic market make language diversity one of the key features of Luxembourg workplaces (Fehlen 2006).

The broad research questions of my thesis are:

  • What is governing the language choices of frontaliers working at a Luxembourgish workplace?
  • What are the linguistic strategies adopted by frontaliers in order to manage linguistic diversity at the workplace? Are these strategies the same for German, French and Belgian frontaliers?
  • Are there exclusion (and thus conflictual) strategies related to language competences? To what extent does language use reflect these tensions/conflicts?
  • To what extent does linguistic behaviour lead to misunderstandings? How can communication at workplaces be optimized?

My PhD is thus investigating the ways in which the frontaliers manage language diversity on a daily basis in Luxembourg and how this might contribute (or not contribute) to sociolinguistic cohesion in Luxembourg.

During the first year (2009) of my PhD, I collected interactional data at three different workplaces in and around Luxembourg-city. The first workplace was a supermarket, the second a distribution company and the third one an IT-company. At each workplace, a few key participants were asked to record themselves why interacting with their colleagues over a period of three weeks. The three workplaces represent three very different case studies situated within multilingual Luxembourg, and it is likely that the data will vary from one to another. This data is now being transcribed and analyzed.

My project is part of a broader research project entitled BRIDGE (Border Regions in Different Geographical Espaces): Creating dialogue across disciplines in border studies. This project explores power relations in border regions from an interdisciplinary perspective, and is being jointly undertaken by the three discipline-based institutes of the IPSE research unit at the University of Luxembourg (Political Science, Geography and Spatial Planning, and Luxembourgish Linguistics and Literature).