Durch einen Glücksfall sind historische Aufnahmen mit dem luxemburgischen Sprachhistoriker Robert Bruch aufgetaucht. Der frühverstorbene Robert Bruch (1920-1959) hat mit seiner zweibändigen Grundlegung einer Geschichte des Luxemburgischen (1953/1954) wichtige Impulse für die sprachhistorische Erschließung des Luxemburgischen geliefert. Auch wenn seine teilweise kühnen Hypothesen in späterer Forschung nicht immer bestätigt werden konnten, so bleibt sein Verdienst, die sprachhistorischen Verästelungen des Luxemburgischen – er sprach der Zeit entsprechend natürlich von ‚Mundart‘ – innerhalb des Westgermanischen zu rekonstruieren.

Zu Studien- und Lehrzwecken hatte der Schweizer Linguist Rudolf Ernst Keller (1920-2014), der seit 1960 am German Department der Universität Manchester lehrte, die folgenden fünf Aufnahmen in Luxemburg mit Robert Bruch als kompetentem Sprecher erstellt. Sie dienten damit wohl auch als Grundlage für Kellers Bestseller German dialects. Phonology and morphology, das ein bis heute lesenswertes Kapitel zum Luxemburgischen enthält. Ein sehr großes Dankeschön geht an dieser Stelle an Martin Durrel, der mir von der Existenz der Aufnahmen berichtete und dankenswerterweise eine Kopie der alten Audiocassetten zur Verfügung stellte. Martin erinnert sich:

The background is that R.E. Keller made the recording in conjunction with his book ‚German Dialects‘ (Manchester University Press 1961). He got in touch with Bruch, who had a few years previously published his work on Luxembourgish, with his ‚West Frankish‘ theory challenging Frings, and wrote the chapter on Luxembourgish with Bruch’s help. As with all the chapters in the book he based his analysis of the phonology of the dialect on original recordings by native speakers, and Bruch was thus his informant for Luxembourgish.

Die Aufnahmen wurden auch viele Jahre lang in Manchester in Kursen zur Sprachgeschichte und Dialektologie eingesetzt. Martin Durrel: „I attended Ruedi’s [R. E. Keller] seminar, based on the book, during my M.A. year in Manchester in 1964/65 and we had to listen to the tapes he had made and make our own phonological analyses from them.“

Die Aufnahmen, die vermutlich in den 1950er Jahren entstanden sind, werden an dieser Stelle für weitere wissenschaftliche Forschung zur Verfügung gestellt. Die Tonqualität ist zufriedenstellend, ab und zu jedoch übersteuert. Diese Tondokument bergen sowohl für die Sprach- als auch für die Literaturwissenschaft interessante Aspekte. Robert Bruchs Aussprache repräsentiert hier eine ältere Form des Luxemburgischen, die damit besonders für phonetische Studien interessant sein dürfte.

1. Wenkersätze

Die erste Aufnahme beinhaltet die klassischen ‚Wenkersätze‘, also das Standard-Erhebungsinstrument der älteren deutschen Dialektologie. Verwendet wurde die Variante mit 42 Sätzen, die auch dem Luxemburgischen Sprachatlas zu Grunde liegen. Die einzelnen Sätze werden von einer Frauenstimme (eventuell Frau Bruch?) auf Standarddeutsch vorgelesen und danach von Robert Bruch übersetzt:

Sprachlich auffällig ist die konsequente Verwendung des palatalen Frikativs [ç] für <ch> (z.B. in iech [iəç]) – wie im Deutschen -, während sich die Realisierung heute zum präpalatalen Frikativ [ɕ] ([iəɕ] oder auch [iəʃ]) verändert hat. Dass es sich um eine ältere Form des Luxemburgischen handelt, zeigt sich auch an den offeneren Langvokalen [ɛː] und [ɔː], z.B. in [hɛːm] heem (heute: [heːm]) und in [ʃlɔːfən] schlofen (heute: [ʃloːfən]). Das kurze ä, das heute sehr offen als [æ] ausgesprochen wird, hat bei Bruch noch einen deutlich geschlosseneren Charakter [ɛ]. Die spezifisch stadtluxemburgischen, offeneren Diphthonge, die man bei Robert Bruch erwarten würde, kommen hingegen nicht vor.

2. Michel Rodange, De Rénert, 11. Gesank

Bei dieser Aufnahme handelt es sich möglicherweise um die älteste Audioaufnahme eines Kapitels aus Michel Rodanges ‚Rénert‘ (1872). Bruch präsentiert den 11. Gesank in ausgeprägt theatralischer Diktion.

 

3. Dicks, De Wëllefchen an de Fiisschen

Vergleiche mit der ungefähr zeitgleichen Aufnahme von Léo Moulin.

 

4. Hari Godefroid, Meng éischt Brëtellen

 

5. Batty Weber, Erinnerungen un den Dicks

Als ‚Beispiel wissenschaftlicher Prosa‘ folgt schließlich ein längerer Ausschnitt aus Batty Webers Rede Erennerongen un den Dicks (1923).

 

Die Aufnahmen werden unter folgender Creative Commons-Lizenz zur Verfügung gestellt.
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Historical Recordings of Robert Bruch is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

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