Wie denn das Insekt mit großen bunten Flügeln heiße, lautete eine Frage aus meiner Befragung. Natürlich ging es nicht darum, eine Antwort auf Standarddeutsch zu erhalten, sondern darum, wie die Teilnehmer dieses Insekt entweder in ihrem moselfränkischen Ortsdialekt (auf deutscher Grenzseite) oder auf dem Luxemburgisch ihres Heimatortes benennen würden.

Insgesamt wurde die Frage bisher von 78 in mindestens zweiter Generation ortsfesten Sprechern* aus 63 Orten diesseits und jenseits der deutsch-luxemburgischen Staatsgrenze beantwortet und brachte viele schöne Varianten zutage. Dabei kommen 28 Sprecher aus Deutschland und 50 aus Luxemburg.

Aber weshalb gerade dieses Wort?

Dieses Insekt ist ein auffallendes und bemerkenswertes Tier – nicht nur durch seine großen bunten Flügel und seine scheue Art, sondern auch durch seine Vielzahl an Namen in verschiedenen Sprachen und Dialekten. Aber damit nicht genug: nicht nur die Vielzahl, sondern auch die Herkunft der Namen macht dieses Insekt noch eine Spur bemerkenswerter.

Im Luxemburgischen Wörterbuch findet sich eine Fülle an dialektalen Varianten für das Tier. Ebenso listet das Rheinische Wörterbuch auf deutscher Seite unterschiedlichste Bezeichnungen auf. Nun wollte ich allerdings wissen, was die Sprecher konkret benutzen. Welche der Varianten sind in regionalen luxemburgischen Varianten und in den moselfränkischen Dialekten in der Eifel, an der Mosel und im Saarland noch zu finden?

Die Antwort sieht so aus**:

 

Schemtterling mit legende II

 

Nun wenden wir uns den verschiedenen Wörtern*** zu.

Fangen wir mit dem Osten und dem Wort Schmetterling (in blau) an.

Dieses Wort ist nicht nur in den Dialekten auf der deutschen Our-/Sauer- und Moselseite am stärksten verbreitet, sondern natürlich auch das standarddeutsche Wort. Laut den etymologischen Wörterbüchern (Kluge 2011; Pfeifer 20058) ist das Wort seit dem 16. Jahrhundert zunächst in Sachsen bezeugt, ehe es sich im 18. Jahrhundert in das gesamte Gebiet ausbreitete. Mit „werfen“ oder „schmettern“ hat der Name allerdings nichts zu tun. Stattdessen hängt er mit dem ostmitteldeutschen Wort Schmetten ’Rahm, Sahne‘ zusammen, das wiederum eine Entlehnung aus dem tschechischen smetana ist und ‘Milch‘ bedeutet. Dem Volksglauben nach handelte es sich bei Schmetterlingen nämlich um verwandelte Hexen, die Milch oder Rahm stehlen – was auch die englische Bezeichnung butterfly erklärt.

Ebenfalls in Deutschland vertreten ist das Wort Päiperlek (in rot).

Viel stärker verbreitet ist das Wort natürlich in Luxemburg, wo es in allen Landesteilen vertreten ist und als Standardvariante gilt. Der Teil Päiper- wird in den luxemburgischen Wörterbüchern mit dem französischen papillon in Verbindung gebracht. Der zweite Teil ‑lek entspräche dagegen dem deutschen ‑ling.

Das Wort Peipel (in orange) auf deutscher Grenzseite wäre dann eine kürzere Variante zu Päiperlek, die nur den ersten Teil des Wortes übernimmt.

Weiter auf luxemburgischem Staatsgebiet und dort zum Wort Pléipeplap (in lila) in Vianden. Nicht nur in der Befragung, sondern auch im LWB ist diese Variante ausschließlich für Vianden belegt. Auch diese Form geht auf den gleichen Ursprung wie der Päiperlek zurück, also auch auf das französische Wort papillon. Anders als Päiperlek hat das Wort Pléipeplap eine spielerische, fast lautmalerische Komponente gewonnen. Wir haben es hier  mit einer Wortdopplung mit Vokalwechsel zu tun, die beinahe das Flattergeräusch des Tieres imitiert.

Ebenso sieht es für das Wort Pimpampel (in grün) aus: mit Päiperlek eng verwandt, allerdings hier, ähnlich wie in Vianden, eine abgewandelte Form, die durch eine Wortdopplung mit der typischen Laut-Reihenfolge /i/ – /a/ (wie bspw. auch aus Kombinationen wie Ticktack, Schnickschnack, ZickZack bekannt) ebenfalls einen spielerischen Charakter bekommt.

Die letzte Variante Millermoler (in gelb) unterscheidet sich allerdings noch einmal komplett von den anderen Formen. In den Wörterbüchern ist sie ausschließlich für Echternach und Wiltz belegt (was auch auf unsere Karte zutrifft), interessanterweise findet sich aber eine ähnliche Form, nämlich Müllerma(h)ler oder Millermahler, im Elsass, in Lothringen und der Pfalz. Dort war die Bezeichnung allerdings ursprünglich beschränkt auf die Schmetterlingsart der Kohlweißlinge. In diesem Zusammenhang könnte die Farbe der Schmetterlinge den Ausschlag gegeben und das Wort sich von den Kohlweißlingen auf alle Schmetterlinge ausgebreitet haben – es wurde also übergeneralisiert.

Abgesehen von der Herkunft all dieser schönen Varianten, ist eine Beobachtung besonders erstaunlich: auch wenn die Wörter jeweils leicht die Grenzen überqueren, bilden sie die deutsch-luxemburgische Grenze doch im Großen und Ganzen gut ab. Auf deutscher Grenzseite finden sich die Mehrzahl der Schmetterlinge und auf luxemburgischer die Päiperleken, Millermoler und ihre Varianten. Nur in den Norden Luxemburgs haben die Schmetterlinge ihren Weg fortgesetzt – treffen aber sehr bald auf die Päiperleken. Ob sich die Päiperleken in Luxemburg gegen die Millermoler, Pimpampelen, Pléipeplappen und Schmetterlinge durchsetzen werden und die Schmetterlinge auf deutscher Grenzseite alle Päiperlek und Peipel vertreiben und die Grenze bilden oder ob alle Varianten weiterhin unberührt in ihren Regionen verbleiben, bleibt abzuwarten.

 

 

 

* Das bedeutet: Die Teilnehmer mussten immer im gleichen Ort gewohnt haben und mindestens ein Elternteil sollte ebenso von dort kommen.

** Für die Teilnehmer, die sich vielleicht wundern, warum ihr Ortspunkt nicht zu finden ist: Ich habe aus Anonymitätsgründen alle Punkte aus einer Gemeinde auf den gleichen Punkt gesetzt, damit nicht nachvollziehbar ist, wer geantwortet haben könnte. Aber keine Angst, Ihre Antworten sind mit aufgenommen!

*** Kurz die „technischen“ Dinge: Jeder Punkt entspricht einem oder mehreren Sprechern. Der Kreis ist komplett ausgefüllt (einfarbig) wenn alle Sprecher die gleiche Form genannt haben. Er besteht aus mehreren Farben, wenn unterschiedliche Varianten eingetragen wurden, sei es von mehreren Sprechern am gleichen Ort, sei es von einem Sprecher, der mehrere Formen verwendet.

Är Commentairen