Zu Schreibweise und Auswahl der Belege siehe die allgemeine Anmerkung am Ende des Textes.

Es gibt wohl kaum eine menschliche Spezies, die mit einer so großen Zahl an abschätz­igen Bezeichnung­en bedacht wird wie der Dumm­kopf. Ganz zu schwei­gen von dem reichen Schatz an Sprich­wörtern und Rede­wen­dungen über seine unbeschreib­liche Dummheit, die einen geradezu fassungs­los macht. Denn, und das ist das Tragische, Dummheit ist nicht heilbar: „Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen!“ Und los wird man einen Idioten auch nicht mehr, denn schickt man ihn fort, kommt er als Schwachkopf zurück. Der Iesel und der Dabo stellen beide die personifizierte Dummheit dar und haben im Luxemburgischen viele Gleichgesinnte wie den DräibizHännes, Klautchen, Topert und wie sie alle heißen. Auch der Eefalt (Einfalt) ist die Dummheit in Person und steht darin dem Esel und dem Dabo in nichts nach. Entsprechend ist das Sprichwort in mehreren Varianten belegt, beispielsweise: Schéck en Äfalt (en Iesel) fort (eraus, ewech), da kriss d’en (da kënnt en) Dabo erëm; Deen als Äfalt fortgeet, könnt als Dabo erëm; Wann een en Äfalt anzwuersch schéckt, da kritt än en Dabo erem; oder eben: Schéckt een en Iesel fort, da kënnt en Dabo erëm. Dass Dumme dumm sind und der Dummheit keine Grenzen gesetzt sind, ist allgemein bekannt. Doch warum nennt man sie Iesel, Eefalt oder Dabo?

Der Esel war bereits in der christlich-abendländischen Antike beliebt als Symbol für Dummheit und wird wegen seiner Genügsamkeit und Trägheit in den Sprachen und Literaturen vieler Länder als töricht belächelt.

Das Wort „Einfalt“ lässt sich, dem etymologischen Wörterbuch von Friedrich Kluge nach, zunächst aus der Lehnbedeutung des lateinischen Adjektivs simplex (‚einfach‘) herleiten – mit steter Pejoration bis zur Bedeutung ‚einfältig, töricht‘ – und wurde später zum Substantiv rückgebildet.

Was den Dabo betrifft, gibt es unterschiedliche etymologische Herleitungen. Vermutlich geht das Wort zurück auf das lateinische dabo (‚ich werde geben‘) in den Worten, die Jesus im Matthäus-Evangelium (16,19) an Petrus richtet: tibi dabo claves regni caelorum („Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“). Im Französischen wurde mit dabo zunächst jemand bezeichnet, der etwas gibt bzw. bezahlt. Im lothringischen Dialekt erfuhr das Wort dann einen Bedeutungswandel und wurde für einen betrogenen, getäuschten oder aber für einen dummen Menschen gebraucht. Und in eben dieser Bedeutung findet der Dabo (seltener: Tibbi Dabo) auch im Luxemburgischen Verwendung. Manche sehen auch einen Zusammenhang mit dem Ort Dabo (Dagsburg) im lothringischen Département Moselle, was bedeuten würde, dass die Bewohner Dabos für besonders dumm gehalten wurden. Für diese Unterstellung gibt es jedoch keinerlei Anhaltspunkte.

Ane Kleine-Engel, Jutta Schumacher

Typ: Sprichwort
Quelle: LWB
Lux. Nennform: Schéckt een en Iesel fort, da kënnt en Dabo erëm.
Bedeutung: Dummheit wird man nicht los
Varianten: LWB s.v. schécken: schéck en Äfalt (en Iesel) fort (eraus, ewech), da kriss d’en (da kënnt en) Dabo erëm; s.v. Äfalt: deen als Äfalt fortgeet, könnt als Dabo erem; Wann een en Äfalt anzwuersch schéckt, da kritt än en Dabo erëm.

LWB s.v.

Äfalt: 1) «Einfalt, Dummheit», in vielen Raa. personifizierte Dummheit – en as dem Äfalt aus der Hatt gefall – wann den Äfalt bäämt, klëmmt e gär op d’Päärd; 2) «Einfaltspinsel, törichter Mensch» […] – Deen als Äfalt fortgeet, könnt als Dabo erem — Wann een en Äfalt anzwuersch schéckt, da kritt än en Dabo erëm.

Dabo: 1) = Äfalt […] — e kritt den Dabo gewiesselt (macht eine schlechte Erfahrung) — en as dem Dabo aus der Hatt getrollt, gefall, gesprongen (er besitzt die Dummheit als Erbteil)Spw.: Schéckt een en Iesel fort, da kënnt en Dabo erëm (Var. sub Äfalt) — gesteigert: en (dräi) gediebelten Dabo, e Gottesdabo, Herrgottsdabo, bisw. auch: en Tibbi Dabo (wie: Hans Tibbi).

schécken: 1) […] – Ra.: schéck en Äfalt (en Iesel) fort (eraus, ewech), da kriss d’en (da kënnt en) Dabo erëm.

Allgemeine Anmerkung:

In der Rubrik Sproch vum Mount des Projekts DoLPh werden luxemburgische Redewendungen allgemeinverständlich in 400-Wort-Artikeln erklärt. Die Schreibweise der Belege richtet sich nach der jeweiligen Orthographie in den Originaltexten und historischen Wörterbüchern, aus denen sie entnommen sind, und ist nicht an die reformierte neue Rechtschreibung angeglichen. Somit wird der sprachhistorischen Ausrichtung des Projekts Rechnung getragen und verhindert, dass vom Sprachgebrauch in älteren Quellen irrtümlich auf die Verwendung im rezenten Luxemburgischen geschlossen wird.

3 thoughts on “Schéckt een en Iesel fort, da kënnt en Dabo erëm (April 2013)

  1. Pardel

    Zum leider unendlichen Thema Dummheit fällt mir bei dieser schönen darlegung folgende Frage ein, vielleicht weiss jemand bescheid uns erlöst mich aus meiner Ignoranz: Hat der Berg Tibidabo bei Barcelona (der mit dem Vergnügungspark und dem Fernsehmast) etwas mit Petrus‘ Himmelsreich zu tun?

    • Jutta Schumacher

      Der Name des Bergs Tibidabo bei Barcelona geht einer Legende nach ebenfalls auf das Matthäus-Evangelium zurück, allerdings nicht auf Mt 16,19 (wo Jesus Petrus die Himmelsschlüssel verspricht: „tibi dabo claves regni caelorum“), sondern auf Mt 4,9. Hier sagt der Teufel zu Jesus, nach dem er ihn auf einen hohen Berg geführt und ihm die Reiche der Welt gezeigt hat: „haec omnia tibi dabo si cadens adoraberis me“ (‚das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest‘).

  2. Pardel

    Vielen Dank für die Erläuterung! Leuchtet mir ein.

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